zweitausendachtzehn

Projektabschlüsse, Weihnachten- und Neujahrsaktionen, neue Arbeitsbeginne… – viel war los in letzter Zeit. Hier gibt’s ein kleines Update, was so passiert ist.

Mitte Dezember wurden die Tore CANATs geschlossen, sodass wir in jedem Projektteil Abschlussfeiern und Weihnachtsaktionen mitorganisieren bzw. -gestalten durften. In den beiden Ludotecas beispielsweise wurden alle Familien zusammengetrommelt, um das Jahr Revue passieren zu lassen, wie auch in dem kleinen Dorf Nuevo Gredal, in dem wir öfter helfen, ein Gottesdienst zu diesem Anlass gefeiert wurde.

Abschlussfeier trabajando
Das Team bei der Abschlussfeier des Projektteiles „Manitos trabajando“

Mit Kraft und Zuversicht in das Jahr 2018 schauen – das war dabei sicherlich eine der wichtigsten Botschaften. Denn 2017 hatten viele Familien mit dem anhaltenden Regen seit Januar zu kämpfen. Nachdem am 27. März der Fluss in Piura das Flussbett überschreitet, sind viele Menschen vom Wasser eingekesselt und deshalb gezwungen, auf Dächer zu klettern. Das Flusswasser bringt mit den Abwässern von Krankenhäusern auch viele Infektionskrankheiten und die Vermehrung von Mücken bzw. sonstigen Insekten mit sich. Die Dengue-Krankheit, die sich durch starkes Fieber, Knochen- und Kopfschmerzen, rote Flecken und große Erschöpfung äußert, wird zunehmend zum Problem. Auch die Infrastruktur leidet extrem: die Wassermengen lassen Brücken einstürzen, zerstören Straßen, Anbauflächen und ganze Häuser. Die Lebensmittelpreise verdoppeln, verdreifachen sich teilweise (in extremer Weise an den Limetten-Preisen zu beobachten: war das Kilo zuvor für ca. zwei Soles erhältlich, wurde es zu dieser Zeit für bis zu fünfzig Soles verkauft). Der Notstand wird in Peru ausgerufen. Viele Menschen verlieren ihr einziges Hab- und Gut, einige sogar ihr Leben.

 

Bilder: Pablo Miranzo (ehemaliger CANAT-Volontär)

Das Phänomen „El Niño“ hat vergangenes Jahr nicht nur seine materiellen, sondern auch seelischen Schäden in Piura und Umgebung zurückgelassen. Deshalb hat CANAT damals schon einige zusätzliche Arbeit auf sich genommen: Lebensmittel- und Gesundheitskits, Informationsveranstaltungen zu Themen wie Dengue-Prävention, Familienbesuche… Sogar ein toller Film wurde von einer spanischen Volontärin in Zusammenarbeit mit dem CANAT-Team in unserer Zeit hier gedreht (Schaut doch hier mal rein, wirklich sehr empfehlenswert!)

Auch die enge Unterstützung des erwähnten „Nuevo Gredal“ (siehe Bilder) gehört zu dieser Arbeit. Denn das neue (= „nuevo“) Dorf hat sich tatsächlich erst letztes Jahr gebildet. Einige Familien sind dorthin gegangen, um sich nach El Niño ein neues Zuhause aufzubauen, nachdem ihr altes zerstört war. Dementsprechend fehlt es in dem jungen Häuserzusammenschluss noch an viel grundlegenden Dingen und die Leute werden von CANAT auf ihrem Weg begleitet.

links: während der Weihnachtszeit standen auch viele spannende und emotionale Familienbesuche auf dem Programm

rechts: Weihnachtsausflug mit dem CANAT-Team

Neben dem Weihnachtsgottesdienst in „Nuevo Gredal“ durften wir Freiwillige an Weihnachten selbst gleich noch zwei andere Messen besuchen. Frühs waren wir mit unserer Chefin Gaby in der Psychiatrie und abends noch ein paar Stunden in bajo Piura unterwegs. So haben wir alle den 24. natürlich auf sehr ungewöhnliche, aber auch schöne Weise verbringen können. Bei dem wunderbaren Weihnachtsessen um Mitternacht bei Gaby ist dann sogar bei 34 Grad doch noch so etwas wie Weihnachtsstimmung aufgekommen. In jedem Fall war es extrem interessant, diesen Tag auf so unterschiedliche Weise erlebt und mit Menschen der sehr ländlichen und armen Gegend bajo Piuras geteilt zu haben. Zum „año nuevo“ (= Silvester) sind wir dann für zwei Tage an den Traumstrand Los Organos gefahren, um dort mit anderen deutschen Volontären Silvester zu feiern.

Cren Bilder
Karneval in der Psychiatrie San Juan de Dios

Auch arbeitstechnisch hat sich in letzter Zeit so einiges getan: unser Projekt CANAT macht bis Mitte März Sommerpause, deshalb arbeiten wir zurzeit in der Psychiatrie San Juan de Dios. Eine sehr spannende und tolle Arbeit, bei der viel getanzt, geredet, musiziert und gelacht wird. Die Aktivität dort möchte ich auch gerne nach dem Wiederbeginn der „normalen Arbeit“ im März beibehalten und werde dementsprechend schauen, wie sich das Ganze nebenbei noch fortführen lässt.

Außerdem hat sich auch viel in CANAT selbst verändert: unsere zwei Teilprojekte „Manitos cresciendo“ (Ausbildungszentrum) und „Manitos trabajando“ (alternatives Bildungsprogramm) wurden in der Lokalität Trabajandos zusammengelegt, sodass in der vergangenen Zeit ebenfalls viel im Rahmen des Umzugs gemacht werden musste. Darüber hinaus läuft dieses Jahr die „Projektzeit“ in der Ludoteca „Ricardo Palma“ aus. Denn das jugando-Programm sieht vor, dass unter dem Stichwort „Hilfe zur Selbsthilfe“ nur ca. fünf Jahre in einer Ludoteca gearbeitet wird, um sie langfristig in die Hände der Familien dort zur selbstständigen Weiterführung zu übergeben. Auf diesem Weg werden wir Volontäre die Familien dort jeden Montagnachmittag noch begleiten dürfen.

In diesem Sinne freue ich mich sehr auf die kommende Zeit, die noch einmal viel Veränderung und sicherlich auch die ein oder andere Herausforderung mit sich bringt.

 

 

 

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7 Kommentare zu „zweitausendachtzehn

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  1. Hallo Clara!
    Deinen neuen Blogeintrag habe ich schon mit Spannung erwartet. Danke! Mich haben besonders die Bilder von Nuevo Gredal bewegt. Ich frage mich, wie die Familien in diesen windigen Schilfhäusern leben können, ohne noch mehr krank zu werden. El Nino war vor etwa einem Jahr in allen Schlagzeilen, auch in Europa. Ich habe eigentlich gedacht, dass da mehr Hilfe von außen bei den Betroffenen angekommen ist. Wer unterstützt diese Menschen noch außer Canat?
    Claudia

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    1. Liebe Claudi,
      freut mich sehr, dass du dir die Zeit zum Durchlesen genommen hast! Das stimmt, El Nino ist ja sogar bis nach Europa durchgedrungen, hat aber meines Empfindens nach relativ kurze mediale Wellen geschlagen. Von daher war ich schon überrascht, wie stark die Auswirkungen hier tatsächlich noch präsent sind. Hilfe von Außen gab es schon, es wurden beispielsweise sehr viele Notzelte aufgestellt, allerdings waren diese Hilfsmaßnahmen meines Erachtens nach doch eher von kurzer Dauer. Auch gegen die fehlende Strom- und fließend Wasserversorgung in und um Piura aufgrund des ausgerufenen Notstands wurde von staatlicher Seite wenig unternommen. Deshalb mussten die Menschen ihre Notlage in großem Maße selbst in die Hand nehmen. Allgemein muss man allerdings schon sagen, dass es hier in Peru generell viel mehr Hilfsorganisationen (gerade mit kirchlichem Hintergrund) gibt, da der Staat große „soziale Lücken“, wie ich das ausdrücken würde, aufweißt. Das heißt für ganz viele soziale Themen gibt es keine Maßnahmen/Anlaufstellen. Nimmt man dann noch Korruption, Schmiergelder und Machtinteressen hinzu, wird klar, wie vertrackt die politische Lage oftmals sein kann und dass sich dieser Umstand natürlich auch in entsprechendem Maße auf das Krisenmanagement auswirkt. Selbstinitiative ist demnach gerade der ärmeren Bevölkerung kein Fremdwort. Immerhin werden gerade alle Straßen generalüberholt, sodass definitiv schon von einer infrastrukturellen Besserung gesprochen werden kann. Dass das jedoch erst ein Jahr später geschieht gibt Ausblick auf die Länge des Erholungsprozesses.

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  2. Super clara

    Mit freundlichen Grüssen  Helmut Keiling 

    Von meinem Smartphone gesendet 

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  3. Wieder ein interessanter Beitrag von dir. Und der Frage von Claudia („Wer hilft noch?“) schließe ich mich mal an.

    Liebe Grüße wieder aus Schwedt
    Henry

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  4. Liebe Clara, danke, dass du uns teilhaben lässt an dem Leben in Piura. Stark!
    Meines Wissens sind die Selbsthilfe und Gemeinschaftsarbeiten in Peru schon seit der Inka-Zeit feste Tradition.
    Saludos cordiales!!!
    Anne

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